Anlagekommentar
Juni 2026

Aktien

Selektivität wird zum Erfolgsfaktor

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Das Aktienumfeld bleibt positiv, aber nicht aus den Gründen, die man sich in einer idealen Welt wünschen würde. Nicht fallende Zinsen tragen die Märkte, sondern robustes Gewinnwachstum — und dieses konzentriert sich weiterhin vor allem auf die USA sowie auf jene Marktsegmente, die direkt oder indirekt vom Ausbau der KI Infrastruktur profitieren. Die gute Nachricht lautet also: Die Hausse steht fundamental nicht auf ganz dünnem Eis. Die weniger romantische Nachricht: Sie steht eben auch nicht auf billigem Geld, sondern auf der Pflicht, weiterhin Gewinne zu liefern.

Der Bullenmarkt, der das Lehrbuch ignoriert

Das Aktienumfeld bleibt positiv, aber nicht aus den Gründen, die man sich in einer idealen Welt wünschen würde. Nicht fallende Zinsen tragen die Märkte, sondern robustes Gewinnwachstum — und dieses konzentriert sich weiterhin vor allem auf die USA sowie auf jene Marktsegmente, die direkt oder indirekt vom Ausbau der KI Infrastruktur profitieren. Die gute Nachricht lautet also: Die Hausse steht fundamental nicht auf ganz dünnem Eis. Die weniger romantische Nachricht: Sie steht eben auch nicht auf billigem Geld, sondern auf der Pflicht, weiterhin Gewinne zu liefern.

Gerade BlackRock und Citi akzentuieren diesen Punkt besonders deutlich. Der Markt verarbeitet derzeit den Zielkonflikt zwischen höherem Zinsniveau und starkem Gewinnwachstum. Solange die Gewinnentwicklung stark genug bleibt, kann sie den Bewertungsdruck aus höheren Zinsen kompensieren. Genau das war bislang vor allem im US Technologiesektor zu beobachten. Dort ist die Gewinnentwicklung so dynamisch, dass selbst ein restriktiverer Zinsausblick nicht ausgereicht hat, um das Fundament der Kursentwicklung zu zerstören. Anders gesagt: Tech ist teuer, aber bislang wenigstens aus einem anspruchsvollen und nicht aus einem komplett absurden Grund.

Auch UBS und Deutsche Bank kommen im Kern zum selben Schluss, wenn auch mit etwas anderer Akzentsetzung. UBS betont die anhaltend starke Gewinnentwicklung in den USA und die strukturelle Unterstützung durch den AI Capex Zyklus. Deutsche Bank bleibt für Aktien ebenfalls konstruktiv, verweist aber stärker auf die Nebenwirkungen des Umfelds: höhere Energiepreise, geopolitische Unsicherheit und ein Inflationsbild, das den Zentralbanken wenig Raum für einen wirklich komfortablen Lockerungspfad lässt. Das ist kein Widerspruch, sondern eher eine nüchterne Arbeitsteilung: Die einen erklären, warum der Markt steigt, die anderen erinnern daran, warum das trotzdem unerquicklich bleiben kann.

Regionale Positionierung

Regional bleibt der Overweight in den USA der überzeugendste Call. Der US-Markt vereint weiterhin das stärkste Gewinnmomentum, die höchste Visibilität im Bereich KI Investitionen und die tiefste Kapitalmarktbreite für strukturelle Gewinner. Citi hat das Kursziel für den S&P 500 auf 8.100 Punkte erhöht, und auch andere Häuser bleiben aufgrund der Gewinnentwicklung positiv. Das heisst nicht, dass die Bewertungen harmlos wären. Aber der Markt derzeit bereit ist, hohe Bewertungen zu tolerieren, solange die Gewinne schnell genug steigen. Für viele Anleger ist das keine ideale Begründung, aber an der Börse muss man bekanntlich nicht mögen, was funktioniert.

Ebenfalls übergewichtet bleiben Emerging Markets, insbesondere dort, wo Bewertung, Konjunkturdynamik und AI Hardware Exponierung zusammenkommen. Vor allem asiatische Märkte profitieren davon, dass sie essenzielle Teile der globalen KI Lieferkette stellen. Gleichzeitig bieten sie im Vergleich zu den USA häufig eine günstigere Bewertung. Das macht Emerging Markets zum interessanten Komplement zur US Lastigkeit eines Portfolios: weniger teuer, aber keineswegs themenfern.

Neutral bleibt die Einschätzung für Japan. Fundamentalseitig sieht der Markt ordentlich aus, vor allem wegen Technologie, Exportqualität und Banken. Gleichzeitig ist Japan geldpolitisch nicht mehr ganz so bequem wie in den Vorjahren. Der Rückenwind aus ultralockerer Geldpolitik nimmt graduell ab, und genau deshalb ist Japan eher ein solider Portfoliobaustein als der naheliegendste Performancehebel. Für die Schweiz bietet sich ebenfalls eine neutrale bis leicht positive Einordnung an. Schweizer Aktien bleiben qualitativ hochwertig, defensiv stabil und in einem volatilen globalen Umfeld als Portfoliostabilisator nützlich. Sie sind allerdings derzeit eher eine Antwort auf die Frage nach Robustheit als auf die Frage nach maximaler Performance. Das ist nicht besonders aufregend, aber bekanntlich ist die Mehrzahl der wirklich brauchbaren Portfoliobausteine selten aufregend.

Untergewichtet bleibt Europa ex Schweiz, ebenso in relativer Betrachtung das UK. Der Grund dafür ist weniger ein grundsätzlich negativer Blick auf europäische Aktien als vielmehr die schwächere Kombination aus Gewinnmomentum, Konjunkturdynamik und strukturellem Wachstum. Europa ist günstiger bewertet, und genau deshalb wird immer wieder versucht, daraus automatisch eine stärkere Anlageempfehlung abzuleiten. Leider haben günstige Bewertungen allein noch nie zuverlässig dafür gesorgt, dass Unternehmen schneller wachsen. Europa bleibt damit ein Markt für Selektion, nicht für heroisches Beta.

Sektoriale Positionierung

Sektoral bleibt Technologie beziehungsweise AI Infrastruktur der wichtigste Overweight. Dazu gehören vor allem Halbleiter, Hardware, Rechenzentrumsinfrastruktur, Strom- und Netzthemen sowie ausgewählte grosse Plattformunternehmen. Die These ist einfach: Der Ausbau der KI Infrastruktur ist kein kurzfristiger Hype ohne Kapitalbedarf, sondern ein realer Investitionszyklus mit realen Gewinnern. Genau deshalb bleibt der Sektor fundamental führend. Zugleich ist das auch der Bereich, in dem die Positionierung am dichtesten ist. Mit anderen Worten: strukturell richtig zu liegen schützt nicht vor taktischen Schmerzen. Wer hier investiert ist, sollte daher Recht behalten wollen, aber nicht auf einen geraden Linienverlauf hoffen.

Ein zweiter Overweight gilt Qualitäts Financials, insbesondere ausgewählten Banken. Das höhere Zinsniveau, robuste Bilanzen und ordentliche Ertragsstrukturen sprechen weiterhin für Teile des Finanzsektors. Anders als in früheren Zyklen wirkt der Sektor diesmal nicht wie ein bloßer Hebel auf Konjunkturhoffnung, sondern in vielen Fällen wie ein realer Gewinner eines länger erhöhten Zinsumfelds. Das macht Banken nicht automatisch glamourös, aber Glamour war als Anlagestil ohnehin selten belastbar.

Ein dritter Overweight gilt Healthcare Equipment und anderen Qualitätsdefensiven. Hier sprechen attraktive Bewertungen, solide Fundamentaldaten und eine geringere Abhängigkeit vom tagesaktuellen Makrotheater für eine stärkere Gewichtung. Gerade im Vergleich zu sehr teuren Wachstumssegmenten bieten solche Bereiche ein nützliches Gegengewicht im Portfolio. Sie sind gewissermaßen die Erinnerung daran, dass auch an der Börse nicht jede gute Idee mit Halbleitern enden muss.

Underweights

Auf der Untergewichtsseite bleiben breite europäische Zykliker wenig attraktiv. Höhere Energiepreise, begrenztere Margenspielräume und die schwächere wirtschaftliche Dynamik setzen diese Segmente stärker unter Druck als ihre Pendants in den USA oder in ausgewählten Emerging Markets. Wer Europa spielen will, sollte deshalb eher selektiv vorgehen als flächig. Ebenfalls untergewichtet bleiben energieabhängige Konsumsegmente. In einem Umfeld, in dem reale Kaufkraft, Inputkosten und Finanzierungskonditionen gleichzeitig unter Druck stehen können, ist die Asymmetrie dort wenig verlockend. Es gibt angenehmere Stellen im Markt, um Zyklenrisiko zu kaufen.

Taktisch verdient auch ein Teil der überfüllten Tech Segmente ein relatives Underweight, obwohl der strukturelle Langfrist Case positiv bleibt. Das ist kein fundamentaler Gegenaufruf, sondern eine Frage der Markttechnik. Wenn alle dasselbe Gute gleichzeitig besitzen, wird nicht das Fundament falsch — aber das Chance Risiko Verhältnis wird deutlich weniger freundlich. Der Markt hat die unangenehme Eigenschaft, gute Nachrichten erst dann wirklich zu lieben, wenn sie längst eingepreist sind.

Overweights und Underweights

USA: Overweight

Stärkstes Gewinnmomentum, hohe Visibilität im KI‑Investitionszyklus,breite Kapitalmarktführerschaft

Emerging Markets: Overweight 

Attraktive Bewertung, gute Makrodynamik, starke AI‑Hardware‑Exponierung

Schweiz: Neutral bis leicht positiv

Defensiver Qualitätsanker,  stabilisierende Portfoliofunktion

Japan: Neutral

Gute Fundamentaldaten, aber weniger geldpolitischer Rückenwind

Europa ex Schweiz: Underweight 

Schwächeres Gewinn- und Konjunkturmomentum, geringere strukturelleDynamik

UK: Underweight

Relativ schwaches regionales Profil im Vergleich zu USA und EM

Technologie / AI‑Infrastruktur: Overweight

Struktureller Gewinner des globalen KI‑Capex‑Zyklus

Qualitäts‑Financials: Overweight

Robuste Gewinne, Zinsumfeld  stützt Margen und Ertragskraft

Healthcare Equipment /  Qualitätsdefensiven: Overweight

Attraktive Bewertung, stabile Fundamentaldaten

Europäische Zykliker: Underweight

Höhere Energieabhängigkeit, schwächere Margendynamik

Energieabhängiger Konsum: Underweight

Verletzlicher gegenüber Kosten- und Nachfragebelastung

Crowded Tech‑Segmente taktisch: Underweight

Überkauft und stark positioniert, trotz positivem Langfristbild

Rico Albericci, CEFA

Source: MarketMap, Chefinvest, UBS, WisdomTree, Citi Wealth, Deutsche Bank
Stand:23.06.2026

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