Anlagekommentar
Oktober 2026

Aktien

Kein Risk-off bei Chefinvest

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Die Chefinvest-Prognose bleibt für Aktien positiv, aber auch selektiv. Höhere Zinsen sind ein Gegenwind für Bewertungen, bislang aber kein ausreichender Grund, die Aktienpositionierung grundsätzlich defensiver auszurichten. Dafür entwickeln sich die Unternehmensgewinne zu robust. Regionalüberzeugen uns derzeit besonders Japan, Hongkong, die Schweiz und Brasilien. Die USA bleiben vor allem über zwölf Monate konstruktiv, wobei Nasdaq und Qualitätsunternehmen das bessere Bild zeigen.

Europableibt die grösste Differenz zwischen Chefinvest und Deutsche Bank. Deutsche Bank liefert mit robusten Gewinnen sowie dem Industrie-,Infrastruktur- und AI-Investitionszyklus gute fundamentale Argumente. Unsere Modelle möchten davon beim breiten europäischen Markt allerdings noch etwas mehr sehen. Beim DAX beginnt sich das Bild über zwölf Monate aus unserer Sicht bereits zu verbessern.

Sektoral ist die Aussage eindeutiger als regional: Industrials, AI-Infrastruktur, Healthcare und zunehmend Cybersecurity bleiben unsere bevorzugten Themen. Die AI-Story wird damit breiter – und glücklicherweise etwas weniger davonabhängig, ob die nächste Präsentation eines neuen Sprachmodells die Börse wieder für 48 Stunden in Euphorie versetzt.

Die aktuellen Chefinvest-Indikatoren zeichnen kein einheitliches Risk-on- oder Risk-off-Bild. Die Unterschiede zwischen Ländern und Regionen sind inzwischen erheblich. Besonders konstruktiv sind unsere Signale für Japan, Hongkong, die Schweiz und Brasilien. Auch die USA bleiben insgesamt positiv, während der breite Euroraum deutlich zurückfällt.

Die externen Strategen sind grundsätzlich ebenfalls konstruktiv, setzen aber unterschiedliche Akzente. Citi ist zuletzt offensiver geworden und hat Aktien aktiv aufgestockt. UBS bleibt konstruktiv, beobachtet aber stärker die Auswirkungen der höheren Zinsen. Deutsche Bank vertraut auf die robuste Gewinndynamik und ist insbesondere für Europa optimistischer als Chefinvest. LGT bevorzugt weiterhin die USA.

Höhere Zinsen – Gegenwind, aber noch kein fundamentaler Bruch

Die jüngsten Zinserhöhungen von Fed, EZB und Bank of Japan sowie der Anstieg der zehnjährigen US-Rendite auf rund 5,2% erhöhen zweifellos den Druck auf Aktienbewertungen. Dieser Effekt ist allerdings bereits sichtbar: Das Forward-KGV des S&P 500 ist seit November um rund 17% gefallen. Entscheidend ist, dass die höheren Zinsen bislang eher die Bewertungen als die Unternehmensgewinne belasten. Citi sieht weiterhin robuste Gewinnrevisionen, hohe Margen und keine wesentliche Verschlechterung der Unternehmensfinanzierung. Höhere Zinsen sind damit unangenehm, aber solange Wachstum und Gewinne mithalten, noch kein Grund für einen generellen Risk-off-Schritt.

UBS setzt den wichtigen Vorbehalt: Problematisch würde es, wenn aus den Zinserhöhungen ein ausgeprägter Straffungszyklus wird und dadurch Wachstum und Gewinne deutlich nachlassen. Historisch war genau diese Unterscheidung für die Aktienentwicklung entscheidend.

Für Chefinvest bedeutet dies: mehr Bewertungsdisziplin und Selektivität, aber nicht weniger Aktien.

USA – Qualität und Wachstum überzeugen stärker

Die Chefinvest-Prognose für die USA ist hat sich jüngst verbessert. Beim S&P 500 ist das Einmonatssignal leicht positiv, während der Zwölfmonatsausblick mit zu unseren stärksten Signalen gehört. Der Nasdaq ist sowohl auf einen als auch auf zwölf Monate positiv. Lediglich der Dow Jones bleibt kurzfristig negativ. Damit bevorzugt unser Modell innerhalb der USA derzeit eher Wachstum und Qualität als den breiteren zyklischen Markt.

Citi geht bereits einen Schritt weiter und hat US-Aktien aufgestockt. Besonders US-Large-Caps werden aufgrund der starken Gewinnrevisionen, hohen Zinsdeckungsfähigkeit und der inzwischen attraktiveren Bewertung bevorzugt. Das passt grundsätzlich zu unserem Signal, auch wenn wir die Aktienquote derzeit nicht breit erhöhen. USA bleiben strategischer Kernmarkt, mit einer Präferenz für profitable Wachstumsunternehmen und Large Caps.

Schweiz – Qualität funktioniert weiterhin

Die Schweiz gehört zu den überzeugenderen Chefinvest-Märkten. SMI und SMIM zeigen kurzfristig jeweils ein deutlich positives Signal. Auch über zwölf Monate bleibt die Prognose positiv, wenngleich weniger ausgeprägt.Sektoral ist die Schweiz für das aktuelle Umfeld gut aufgestellt: Healthcare, hochwertige Industrials und Financials verbinden Gewinnqualität mit vergleichsweise defensiven Eigenschaften.

Gerade bei höheren Zinsen erscheint diese Mischung attraktiv. Die Schweiz bleibt deshalb eine unserer bevorzugten Regionen – weniger spektakulär als AI, dafür gelegentlich mit dem angenehmen Nebeneffekt tatsächlicher Gewinne.

Europa bleibt der grösste Meinungsunterschied.

Der Euro STOXX zeigt bei Chefinvest sowohl auf einen Monat als auch auf zwölf Monate ein leicht negatives Signal. Beim CAC 40 ist das Bild noch schwächer. Frankreich gehört damit weiterhin zu den Märkten, bei denen unser Modell wenig Anlass zu Enthusiasmus liefert.

Deutsche Bank ist deutlich positiver. Sie verweist auf robuste europäische Unternehmensgewinne und darauf, dass Europa stärker als in früheren Technologiezyklen von den Investitionen in Industrie, Infrastruktur, Elektrifizierung und AI-Infrastruktur profitieren kann. Gerade Europas industrielle Unternehmen könnten somit indirekt zu Gewinnern des AI-Zyklus werden.

Interessant ist deshalb Deutschland. Der DAX zeigt kurzfristig ein leicht schwächeres Signal, dreht über zwölf Monate aber deutlich ins Positive. Hier nähern sich Chefinvest und Deutsche Bank auf längere Sicht an. Deutschland bleibt damit für uns kurzfristig kein Markt zum Hinterherlaufen, mittelfristig aber interessant, insbesondere wegen seiner Exponierung gegenüber Automation, Elektrifizierung, Maschinenbau und Infrastruktur. Österreich fällt positiv auf: Der ATX ist auf beiden Zeithorizonten konstruktiv. Italien verbessert sich ebenfalls von einem leicht negativen kurzfristigen zu einem positiven Zwölfmonatssignal.

Japan – höchste Übereinstimmung

Japan gehört inzwischen zu den überzeugendsten Regionen. Der Nikkei ist bei Chefinvest sowohl auf einen Monat als auch auf zwölf Monate positiv.

Citi bestätigt dieses Signal fundamental und hat Japan inzwischen von einer leichten Untergewichtung auf ein moderates Übergewicht angehoben. Besonders bemerkenswert sind die Gewinnrevisionen: Positive Revisionen übersteigen negative inzwischen im Verhältnis von 2,6 zu 1, während sich die Unternehmensprofitabilität auf einem historischen Höchststand befindet. Auch Deutsche Bank beurteilt Japan konstruktiv. Damit besteht hier eine ungewöhnlich hohe Übereinstimmung zwischen Chefinvest, Citi und Deutsche Bank. Nach einer YTD-Performance von bereits rund 33% würden wir allerdings nicht jeder Bewegung hinterherlaufen…

Hongkong/China – starkes Chefinvest-Signal trotz schwacher Performance

Der Hang Seng ist besonders interessant: Trotz einer negativen bisherigen Jahresperformance zeigt Chefinvest auf einen Monat und auf zwölf Monate positive Signale. Das unterscheidet Hongkong von Märkten, bei denen unser Modell lediglich bestehendes Momentum fortschreibt. Hier signalisiert es vielmehr eine mögliche Verbesserung nach vorangegangener Schwäche.

UBS bleibt ebenfalls positiv für chinesische Technologie, AI und Semiconductor Localisation. Deutsche Bank sieht Chancen bei Technologie und Advanced Manufacturing, während Immobilien und Binnenkonsum schwach bleiben. Unsere positive Einschätzung bleibt deshalb selektiv: China/Hongkong ist für Chefinvest primär ein Technologie- und Industrialisierungs-Call und keine pauschale Wette auf die chinesische Konjunktur.

Sektoren – hier ist die Übereinstimmung grösser als bei den Ländern

Bei der sektoralen Positionierung liegen Chefinvest und die externen Strategen wesentlich näher zusammen.

Industrials bleiben eines unserer bevorzugten Themen. AI-Capex, Reindustrialisierung, Elektrifizierung, Stromnetze und Infrastruktur bilden einen mehrjährigen Investitionszyklus. Gerade hier ist die Deutsche-Bank-Analyse wichtig: Europa verfügt zwar über weniger grosse AI-Plattformunternehmen, dafür aber über zahlreiche Unternehmen, die für die physische Umsetzung des AI-Investitionszyklus benötigt werden. AI-Infrastruktur bleibt ebenfalls zentral. Die Investmentthese verbreitert sich von den grossen Technologieplattformen auf Halbleiter, Data Center, Stromversorgung, Kühlung, Automation und Engineering. Neu gewinnt Cybersecurity zusätzlich an Gewicht. Citi erwartet, dass die Ausgaben für AI-Sicherheit zwischen 2026 und 2028 mit rund 65% jährlich wachsen könnten – etwa fünfmal so schnell wie die gesamten Cybersecurity-Ausgaben. Damit lässt sich am AI-Zyklus partizipieren.

Healthcare bleibt unser bevorzugter defensiver Wachstumsbereich. Die Kombination aus stabilen Gewinnen, strukturellem Wachstum und geringerer Konjunkturabhängigkeit ist gerade im aktuellen Zinsumfeld attraktiv. Zurückhaltender bleiben wir bei Consumer Discretionary. Höhere Finanzierungskosten und die weiterhin erhöhte Inflation treffen konsumabhängige Geschäftsmodelle stärker; dies ist auch ein Grund für unsere schwächere Beurteilung Frankreichs.

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