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Nach Jahren tiefer Zinsen haben Anleihen ihre traditionelle Rolle als Ertrags- und Diversifikationsbaustein zurückgewonnen. Während die unterschiedlichen geldpolitischen Ansätze der Zentralbanken für erhöhte Unsicherheit sorgen, bieten insbesondere Staats- und Investment-Grade-Anleihen attraktive laufende Renditen bei vergleichsweise moderatem Risiko. Im High-Yield-Segment ist aufgrund enger Kreditaufschläge eine sorgfältige Titelselektion entscheidend, während Emerging-Market-Anleihen derzeit die zusätzlichen politischen und währungsbedingten Risiken nur unzureichend kompensieren. Insgesamt bleiben wir für qualitativ hochwertige Anleihen konstruktiv, da sie in einem anspruchsvollen Marktumfeld sowohl zur Stabilität als auch zur langfristigen Portfoliorendite beitragen können.
Die Entwicklung der Staatsanleihen wird weiterhin massgeblich von der Geldpolitik der großen Zentralbanken bestimmt. Nachdem die Märkte über weite Strecken des Jahres mit weiteren Zinssenkungen gerechnet hatten, hat die Europäische Zentralbank zuletzt einen restriktiveren Kurs eingeschlagen und die Leitzinsen erneut angehoben. Hintergrund sind anhaltende Inflationsrisiken sowie die Sorge, dass sich der Preisauftrieb als hartnäckiger erweisen könnte als ursprünglich erwartet. Die US-Notenbank hingegen hat die Leitzinsen unverändert belassen und verfolgt weiterhin einen datenabhängigen Ansatz.
Für Staatsanleihen ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Das höhere Zinsniveau sorgt weiterhin für attraktive laufende Renditen, gleichzeitig begrenzen steigende Zinsen das Kurspotenzial insbesondere bei langlaufenden Anleihen.US-Treasuries bieten nach wie vor interessante Realrenditen und erfüllen ihre Rolle als Diversifikator in Phasen erhöhter Marktunsicherheit. In Europaprofitieren insbesondere Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität von ihrer Funktion als sicherer Hafen, während Anleihen der Peripherieländer weiterhin Renditevorteile bieten, jedoch stärker von politischen und fiskalischen Entwicklungen abhängig bleiben.
Insgesamt bleiben Staatsanleihen ein wichtiger Baustein für die Stabilisierung von Portfolios. Die deutlich höheren Renditen gegenüber den vergangenen Jahren bieten Anlegern wieder attraktive Ertragschancen, auch wenn das Umfeld aufgrund der Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs herausfordernd bleibt.
Investment-Grade-Anleihen zeigen sich weiterhin widerstandsfähig. Die meisten Emittenten verfügen über solide Bilanzen, stabile Cashflows und einen guten Zugang zu den Kapitalmärkten. Trotz des höheren Zinsniveaus bleibt das Refinanzierungsrisiko überschaubar. Die Kreditaufschläge bewegen sich weiterhin auf historisch tiefen Niveaus und spiegeln die insgesamt robuste Verfassung der Unternehmen wider. Zwar begrenzt dies das zusätzliche Kurspotenzial, gleichzeitig bieten die aktuellen Renditeniveaus weiterhin einen attraktiven laufenden Ertrag. Besonders europäische Investment-Grade-Anleihen stellen aus unserer Sicht eine interessante Kombination aus Stabilität und Rendite dar und bleiben ein wichtiger Baustein für den defensiven Portfolioanteil.
Das High-Yield-Segment bietet nach wie vor attraktive Renditen, allerdings bei zunehmend begrenzter Risikoprämie. Die Kreditaufschläge sind historisch betrachtet eng und lassen nur wenig Raum für Enttäuschungen. Während Emittenten mit guter Bonität im BB-Bereich weiterhin solide Fundamentaldaten aufweisen, steigt der Druck auf schwächere Schuldner mit höherem Verschuldungsgrad. Die Ausfallraten dürften in den kommenden Quartalen moderat ansteigen, bleiben jedoch voraussichtlich unter den langfristigen Durchschnittswerten. Entsprechend bevorzugen wir weiterhin qualitativ hochwertige High-Yield-Emittenten und sehen das Segment vor allem als selektive Ergänzung innerhalb eines breit diversifizierten Anleihenportfolios.
Emerging-Market-Anleihen profitieren grundsätzlich von attraktiven Renditeniveaus und in vielen Ländern bereits fortgeschrittenen Zinssenkungszyklen. Gleichzeitig haben geopolitische Spannungen, ein stärkerer US-Dollar sowie politische Unsicherheiten in einzelnen Regionen die Risikowahrnehmung zuletzt erhöht. Die Renditeaufschläge erscheinen zwar auf den ersten Blick interessant, entschädigen aus unserer Sicht derzeit jedoch nicht ausreichend für die zusätzlichen politischen, währungs- und liquiditätsbezogenen Risiken. Wir bleiben daher bei Emerging-Market-Anleihen zurückhaltend und bevorzugen aktuell höherwertige Anleihensegmente in denI ndustrieländern.
Fazit: Die Anleihenmärkte befinden sich weiterhin in einem attraktiven Umfeld. Während die Europäische Zentralbank ihren Zinssenkungszyklus fortsetzt, verfolgt die US-Notenbank aufgrund der robusten Wirtschaft und anhaltender Inflationsrisiken einen vorsichtigeren Kurs. Dadurch bleiben die Renditen insbesondere in den USA auf einem attraktiven Niveau.
Staatsanleihen und Investment-Grade-Anleihen bieten aus unserer Sicht derzeit das überzeugendste Verhältnis von Risiko und Ertrag. Sie ermöglichen attraktive laufende Renditen und erfüllen gleichzeitig wieder ihre traditionelle Rolle als Stabilitätsanker und Diversifikator im Portfolio. Im High-Yield-Bereich bleiben wir aufgrund der engen Kreditaufschläge selektiv und bevorzugen qualitativhochwertige Emittenten. Emerging-Market-Anleihen erscheinen dagegen aktuell weniger attraktiv, da die zusätzlichen Renditen die politischen, währungs- und liquiditätsbezogenen Risiken nur unzureichend kompensieren.
Insgesamt bleiben wir für das Anleihensegment konstruktiv. Nach vielen Jahren niedriger Zinsen können Anleihen wieder einen wesentlichen Beitrag zur Portfoliorenditeleisten und gleichzeitig die Stabilität in einem von geopolitischen Unsicherheiten und konjunkturellen Risiken geprägten Marktumfeld erhöhen.
Mimi Haas, Lic. rer.pol. HSG, M.A. in Banking and Finance HSG, Partner
Quellen: MarketMap, Bloomberg und DWS
Stand:22.06.2026