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Staatsanleihen
Die Entwicklung der Staatsanleihen wird erneut maßgeblich von Inflation und Geldpolitik bestimmt. Nachdem die vergangenen Jahre zunächst von kräftigen Zinserhöhungen und anschließend von ersten Lockerungen geprägt waren, hat sich das Bild zuletzt wieder gedreht. Die Europäische Zentralbank erhöhte im September ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte und reagierte damit auf erneut gestiegene Inflationsrisiken. Auch die US-Notenbank hob ihren Leitzins im September um 25 Basispunkte an. Vor allem höhere Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und eine weiterhin robuste Konjunktur erschweren den Notenbanken die Rückkehr zu ihrem Inflationsziel.
Für Staatsanleihen bedeutet dies, dass die Renditen vorerst auf einem attraktiven Niveau bleiben dürften. Gleichzeitig erhöht die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad die Schwankungen insbesondere bei längeren Laufzeiten. US-Treasuries bieten weiterhin interessante laufende Renditen und bleiben ein wichtiger Diversifikator. In Europa bevorzugen wir Staatsanleihen guter Bonität, während höhere Staatsverschuldung und politische Unsicherheiten bei einzelnen Ländern zunehmend stärker differenziert werden müssen.
Insgesamt bleiben Staatsanleihen ein wichtiger Stabilitätsanker im Portfolio. Bei der Duration erscheint jedoch weiterhin ein ausgewogener Ansatz sinnvoll, solange der weitere Inflations- und Zinspfad nicht klarer erkennbar ist.
Unternehmensanleihen Investment Grade
Investment-Grade-Anleihen bleiben aus unserer Sicht eines der attraktivsten Segmente innerhalb des Anleihenmarktes. Die Bilanzen vieler Unternehmen sind weiterhin solide und die höheren Zinsen können von qualitativ guten Emittenten überwiegend verkraftet werden. Gleichzeitig ermöglichen die gestiegenen Basiszinsen attraktive Gesamtrenditen, ohne dass dafür wesentlich höhere Kreditrisiken eingegangen werden müssen.
Allerdings sind die Kreditaufschläge weiterhin niedrig. Anleger werden somit vor allem über den laufenden Zins und weniger über eine weitere deutliche Einengung der Spreads entschädigt. Gleichzeitig zeichnet sich eine stärkere Differenzierung zwischen Unternehmen und Branchen ab. Gerade Unternehmen mit hohem zukünftigen Finanzierungsbedarf werden vom Markt zunehmend kritischer beurteilt.
Investment Grade bleibt damit für uns ein Kernbaustein des Anleihenportfolios. Qualität,solide Cashflows und überschaubare Verschuldung stehen dabei klar im Vordergrund.
High Yield
Im High-Yield-Segment ist weiterhin eine klare Trennung nach Bonitätsqualität erforderlich. Bei BB- und guten B-Emittenten bleiben die Fundamentaldatenvielfach solide und die Gesamtrenditen interessant. Gleichzeitig sind die Kreditaufschläge insbesondere im höherwertigen High-Yield-Bereich sehr eng und bieten nur einen begrenzten Puffer für eine konjunkturelle Verschlechterung.
Deutlich anders stellt sich die Situation bei schwächeren Schuldnern dar. Im CCC-Bereich haben sich die Risikoprämien zuletzt merklich ausgeweitet. Der Markt beginnt damit stärker zwischen Unternehmen mit tragfähigen Geschäftsmodellen und hochverschuldeten Emittenten zu unterscheiden.
High Yield bleibt deshalb für uns eine taktische Beimischung. Wir bevorzugen weiterhin BB-und ausgewählte B-Emittenten und vermeiden eine Jagd nach hohen Nominalrenditen zulasten der Kreditqualität.
EmergingMarket Bonds
Emerging-Market-Anleihen bieten weiterhin hohe nominale Renditen. Gleichzeitig hat sich das Umfeld durch wieder steigende Zinsen in den Industrieländern, einen festen US-Dollar, geopolitische Spannungen und höhere Energiepreise schwieriger gestaltet. Insbesondere Länder mit hoher Fremdwährungsverschuldung bleiben anfällig.
Hinzu kommt, dass sich die fundamentale Situation innerhalb der Schwellenländer sehr unterschiedlich entwickelt. Während einige Staaten über solide Leistungsbilanzen und ausreichende Währungsreserven verfügen, bleibt die Schuldentragfähigkeit bei anderen Ländern problematisch.
Entscheidend bleibt deshalb die Frage, ob die zusätzliche Rendite ausreichend für die höheren politischen, Währungs- und Kreditrisiken entschädigt. Für breitangelegte Emerging-Market-Anleihen sehen wir dieses Verhältnis derzeit weiterhin nicht als überzeugend an und bleiben entsprechend zurückhaltend.
Fazit
Das Anleihenumfeld hat sich gegenüber dem vergangenen Quartal verändert. Die Hoffnung auf kontinuierlich sinkende Zinsen ist einer erneuten Sorge vor hartnäckiger Inflation gewichen. Die jüngsten Zinserhöhungen von EZB und Fed zeigen, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht abgeschlossen ist.
Für Anleger ist dies nicht grundsätzlich negativ: Das höhere Zinsniveau sorgt dafür, dass hochwertige Anleihen weiterhin attraktive laufende Erträge bieten. Staatsanleihen und Investment-Grade-Anleihen bleiben daher unsere bevorzugten Segmente und erfüllen gleichzeitig ihre wichtige Funktion als Stabilitäts- und Diversifikationsbaustein im Portfolio.
Bei High Yield bleiben wir selektiv und konzentrieren uns auf höhere Bonitäten. Emerging-Market-Anleihen beurteilen wir weiterhin zurückhaltend, da uns die zusätzliche Rendite für die eingegangenen Risiken derzeit nicht ausreichend erscheint.
Insgesamt bleiben wir für hochwertige Anleihen konstruktiv, würden angesichts der wieder gestiegenen Inflations- und Zinsunsicherheit bei der Duration jedoch weiterhin ausgewogen positioniert bleiben.
Mimi Haas, Lic. rer.pol. HSG, M.A. in Banking and Finance HSG, Partner
Quellen: MarketMap, Bloomberg und DWS
Stand:28.09.2026