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EUR/USD – Höhere Zinsen auf beiden Seiten des Atlantiks
Das Währungspaar EUR/USD steht derzeit ganz im Zeichen einer erneuten Straffung der Geldpolitik. Die EZB hat ihren Leitzins im September um25 Basispunkte angehoben. Hintergrund sind insbesondere die anhaltenden Inflationsrisiken infolge höherer Energiepreise und der geopolitischen Spannungen. Die EZB erwartet für 2026 inzwischen eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 % und signalisiert, dass die Preisentwicklung vorerst oberhalb ihres Zielwerts bleiben dürfte.
Auch die US-Notenbank hat ihren Kurs verändert und Mitte September die Fed Funds Rate um 25 Basispunkte auf 3,75–4,00 % erhöht. Die US-Wirtschaft zeigt sich weiterhin robust, während die Inflation über dem Ziel der Notenbank liegt. Entscheidend für den weiteren Kurs wird sein, ob sich der Inflationsdruck abschwächt oder weitere geldpolitische Schritte notwendig werden.
Diese Entwicklung hat den Dollar zuletzt wieder unterstützt. EUR/USD bewegt sich derzeit um 1,14. Für die kommenden Monate dürfte vor allem entscheidend sein, welche Notenbank stärker nachlegen muss. Da sowohl Fed als auch EZB gegen erhöhte Inflationsraten vorgehen, hat sich der zuvor klare geldpolitische Gegensatz abgeschwächt. Die weiterhin robuste US-Konjunktur und das höhere absolute Zinsniveau sprechen kurzfristig jedoch für eine gewisse Unterstützung des Dollars.
EUR/CHF – Zinsdifferenz spricht zunehmend für den Euro
Beim EUR/CHF hat sich das fundamentale Umfeld gegenüber dem Frühjahr verändert. Die SNB hat ihren Leitzins im September erneut unverändert bei 0 % belassen. Gleichzeitig bleibt die Schweizer Inflation vergleichsweiseniedrig und bewegt sich innerhalb des von der SNB mit Preisstabilität vereinbaren Bereichs. Die Nationalbank sieht deshalb derzeit keinen unmittelbaren Anlass für eine Straffung ihrer Geldpolitik.
Demgegenüber hat die EZB ihre Zinsen erneut erhöht. Die dadurch wachsende Zinsdifferenz zwischen Euro und Franken macht Euro-Anlagenrelativ attraktiver und spricht grundsätzlich für eine gewisse Stabilisierung beziehungsweise Aufwertung des Euro gegenüber dem Franken.
EUR/CHF bewegt sich aktuell um 0,94. Gleichzeitig bleibt der Schweizer Franken strukturell unterstützt. Bei einer erneuten Verschärfung geopolitischer Risiken dürfte seine Funktion als sicherer Hafen schnell wieder in den Vordergrund treten.
Die SNB hat zudem erneut betont, dass sie bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv werden kann. Damit verfügt sie weiterhin über ein Instrument, um einer übermässigen Frankenaufwertung entgegenzuwirken.
Fazit EUR/CHF: Die höhere Verzinsung des Euro verbessert dessen Ausgangslage gegenüber dem Franken. Dies spricht für eine Stabilisierung des EUR/CHF und reduziert kurzfristig den Aufwertungsdruck auf den Franken. Eine ausgeprägte Euro-Stärke erwarten wir dennoch nicht, da der Schweizer Franken aufgrund seiner Safe-Haven-Funktion und der soliden fundamentalen Rahmenbedingungen strukturell gefragt bleibt.
USD/CHF – US-Zinsvorteil trifft auf den sicheren Hafen Franken
Bei USD/CHF ist die geldpolitische Divergenz derzeit besonders ausgeprägt. Während die Fed ihren Leitzins auf 3,75–4,00 % angehoben hat, verharrt die SNB bei 0 %. Damit besteht ein erheblicher Zinsvorteil zugunsten des US-Dollars.
Dies unterstützt den Dollar gegenüber dem Franken. Gleichzeitig sollte die strukturelle Stärke des Schweizer Frankens nicht unterschätzt werden. Bei zunehmenden geopolitischen oder wirtschaftlichen Unsicherheiten bleibt die Schweizer Währung eine der wichtigsten Fluchtwährungen.
Die weitere Entwicklung von USD/CHF dürfte deshalb von zwei gegensätzlichen Kräften bestimmt werden: dem deutlichen US-Zinsvorteil und der robusten US-Wirtschaft auf der einen sowie der Safe-Haven-Nachfrage nach Schweizer Franken auf der anderen Seite.
Fazit USD/CHF: Kurzfristig spricht die grosse Zinsdifferenz für eine Unterstützung des US-Dollars gegenüber dem Franken. Gleichzeitig dürfte das Aufwertungspotenzial des Dollars begrenzt bleiben, da der Franken in Phasen erhöhter Unsicherheit schnell wieder gesucht wird. USD/CHF bleibt damit ein Spannungsfeld zwischen Carry-Vorteil des Dollars und Sicherheitsprämie des Frankens.
Gesamtfazit
Die geldpolitischen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verändert. Fed und EZB reagieren auf die wieder erhöhten Inflationsrisiken mit einer strafferen Geldpolitik, während die SNB ihren Leitzins bei 0 % belässt. Dadurch gewinnen die Zinsdifferenzen als Treiber der Wechselkurse wieder an Bedeutung.
Kurzfristig bleibt der US-Dollar durch das höhere Zinsniveau und die robuste US-Wirtschaft unterstützt. Auch der Euro erhält gegenüber demFranken zunehmend Unterstützung durch den europäischen Zinsvorteil. Der Schweizer Franken bleibt dagegen trotz des fehlenden Zinsvorteils strukturell stark und dürfte insbesondere bei geopolitischen oder wirtschaftlichen Unsicherheiten weiterhin gesucht bleiben.
Für die Portfolios bedeutet dies: USD-Positionen profitieren derzeit stärker vom Zinsvorteil, EUR-Anlagen haben gegenüber CHF an Attraktivität gewonnen, während der Schweizer Franken seine wichtige Funktion als Stabilitäts- und Diversifikationswährung behält.
Mimi Haas, Lic. rer.pol. HSG, M.A. in Banking and Finance HSG, Partner
Quellen: MarketMap und Bloomberg
Stand:28.09.2026