Anlagekommentar
März 2026

China

Strukturwandel mit selektiven Chancen

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China ist kein breiter Wachstumsmarkt mehr, sondern ein politisch gesteuertes, selektives Investmentuniversum. Ein Mehrwert entsteht nur noch durch gezielte Allokation in strategische Schlüsselindustrien, während grosse Teile des Marktes strukturell an Attraktivität verlieren. Wir erachten die Technologieaktien nach wie vor als interessant.

China befindet sich in einem anhaltenden Transformationsprozess von investitionsgetriebenem hin zu qualitativem Wachstum. Für das Jahr 2026 wird ein BIP-Wachstum von rund 4.5–5.0% prognostiziert. Dieses liegt zwar unter dem historischen Niveau, kann jedoch im globalen Vergleich weiterhin als solide betrachtet werden. Das Wachstum war zuletzt stark exportgetrieben, während der Binnenkonsum strukturell schwach blieb. Zwar deuten aktuelle Indikatoren auf eine Stabilisierung hin, jedoch ist auch eine Zunahme externer Risiken zu verzeichnen.

Immobilienkrise und schwacher Binnenkonsum bremsen Wachstumsdynamik

Die grössten Belastungsfaktoren liegen unverändert im Inland: Der deutlich geschrumpfte Immobiliensektor verliert seine Rolle als Wachstumsmotor und belastet sowohl Haushalte als auch lokale Staatsfinanzen. Gleichzeitig führt eine hohe Sparquote – getrieben durch Unsicherheit und geringe soziale Absicherung – zu anhaltend schwachem Konsum. Damit fehlt China aktuell ein tragfähiger binnenwirtschaftlicher Wachstumstreiber.

Strategische Neuausrichtung: Technologie und Industrie als neue Wachstumstreiber

Demgegenüber steht eine klare strategische Neuausrichtung: Staatlich priorisierte Sektoren wie Halbleiter, künstliche Intelligenz, Elektromobilität sowie erneuerbare Energien gewinnen weiter an Bedeutung. Das Ziel besteht darin, die technologische Unabhängigkeit zu stärken und die industrielle Wertschöpfung zu erhöhen. Für Investoren verschiebt sich damit das Chancenprofil weg vom breiten Markt hin zu klar definierten, industriepolitisch geförderten Bereichen.

Ölkrise als kurzfristige Belastung – Chinas strukturelle Resilienz als Puffer

Die aktuelle Ölkrise im Iran belastet die Wirtschaft kurzfristig. Steigende Energiepreise wirken sich negativ auf Produktion und Konsum aus und beeinträchtigen die exportorientierte Wirtschaft durch eine schwächere globale Nachfrage. China zeichnet sich durch eine Reihe von Faktoren aus, die es in einer vergleichbaren Situation deutlich robuster erscheinen lassen als viele andere Volkswirtschaften. Dazu zählen eine Diversifikation der Wirtschaft, die Haltung umfangreicher Ölreserven und eine führende Rolle bei der Elektrifizierung mit erneuerbaren Energiequellen.

IMF Prognosen

BIP 2026         4.50%

Inflation 2026  0.70%

Shibor               1.52%

Dino Marcesini, Partner

Stand: 25.03.2026

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