Diesen Beitrag hören:
Gold bleibt ein wichtiger Stabilitätsanker in einem von Unsicherheiten geprägten Marktumfeld. Geopolitische Spannungen und die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken stützen den langfristigen Investmentcase, während mögliche Inflationsimpulse und verzögerte Zinssenkungen kurzfristig für Gegenwind sorgen können. Nach der starken Entwicklung der vergangenen Monate hat die Volatilität zugenommen, wodurch grössere Preisschwankungen wahrscheinlicher werden. Insgesamt bleibt der langfristige Ausblick konstruktiv, auch wenn Anleger kurzfristig mit einem anspruchsvolleren Marktumfeld rechnen müssen.
Gold bewegt sich weiterhin auf einem erhöhten Niveau, zeigt aktuell jedoch eine deutlich gestiegene Volatilität. Auslöser hierfür ist insbesondere die Eskalation im Nahen Osten, die kurzfristig zu stärkeren Preisschwankungen nach unten geführt hat.
Gleichzeitig ergibt sich ein komplexeres makroökonomisches Umfeld: Der Konflikt erhöht das Risiko steigender Energiepreise und damit eines erneuten Inflationsdrucks. Dies könnten die Spielräume der Zentralbanken für weitere Zinssenkungen begrenzen oder verzögern, was grundsätzlich belastend für Gold wäre. Damit steht das Edelmetall aktuell in einem Spannungsfeld zwischen geopolitischer Unterstützung und potenziell höheren Realzinsen.
Die strukturelle Nachfrage bleibt jedoch intakt. Zentralbanken kaufen weiterhin Gold zur Diversifikation ihrer Reserven, und in Phasen erhöhter Unsicherheit steigt die Nachfrage nach sicheren Anlagen zusätzlich an. Das Angebot reagiert hingegen nur begrenzt, was Preisbewegungen verstärken kann.
Insgesamt ist die Marktpositionierung dynamischer geworden, ohne bereits überhitzt zu sein, wodurch zusätzliche Bewegungen in beide Richtungen möglich bleiben.
Mimi Haas, Lic. rer.pol. HSG, M.A. in Banking and Finance HSG, Partner
Quellen: Degussa, Reuters und Financial Times.
Stand: 22.06.2025