Anlagekommentar
Oktober 2026

Edelmetalle

Gold und Goldminen – kurzfristiger Zinsdruck, langfristige Unterstützung

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Gold steht derzeit zwischen einer restriktiveren US-Geldpolitik und einer weiterhin robusten strukturellen Nachfrage. Am Freitagnachmittag, 25. September, lag der Goldpreis bei rund4’283 US-Dollar je Feinunze und damit etwa 2,1% unter dem Vorwochenniveau. Insbesondere steigende US-Anleiherenditen und die Erwartung weiterer Zinserhöhungen belasteten das Edelmetall. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass geopolitische Unsicherheit und Inflationssorgen allein keine steigenden Goldpreise garantieren. (ca.marketscreener.com)

Die US-Notenbank hat am 16.September ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Bandbreite von 3,75–4,00% angehoben. Sie begründete den Entscheid mit der weiterhin erhöhten Inflation bei gleichzeitig robustem Wirtschaftswachstum. Damit bleibt die Geldpolitik ein wesentlicher Gegenwind für Gold. Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, erhöhen attraktivere Zinsen auf liquide Anlagen und Anleihen die Opportunitätskosten der Goldhaltung. Entscheidend sind dabei insbesondere die Realzinsen, also die Zinsen nach Berücksichtigung der Inflationserwartungen. (federalreserve.gov)

Auch die Lage im Nahen Osten wirkt in beide Richtungen. Eskalationen können die Nachfrage nach sicheren Anlagen erhöhen, gleichzeitig aber über höhere Energiepreise den Inflationsdruck und damit die Zinserwartungen verstärken. Eine Entspannung kann umgekehrt geopolitische Risikoprämien abbauen, zugleich jedoch über sinkende Ölpreise die Zinsaussichten verbessern. Für die Goldpreisentwicklung ist deshalb entscheidend, welcher dieser Effekte überwiegt.

Unterstützung kommt weiterhin von den Zentralbanken, allerdings verläuft deren Nachfrage weniger gleichmässig, als es die Formulierung eines kontinuierlichen Kauftrends vermuten lässt. Nach Angaben des World Gold Council stiegen die Nettokäufe im zweiten Quartal auf rund289 Tonnen. Polen und China gehörten zu den wichtigsten Käufern. Mit insgesamt rund 345 Tonnen blieb die Nachfrage im ersten Halbjahr dennoch auf dem niedrigsten Niveau eines ersten Halbjahres seit 2022. Die Diversifikation der Währungsreserven bleibt ein strukturelles Argument für Gold; Zentralbankkäufe bilden jedoch keine verlässliche Untergrenze für den Preis. (gold.org)

Zusätzlich hat die Investmentnachfrage wieder an Bedeutung gewonnen. Im August verzeichneten physisch hinterlegte Gold-ETFs weltweit Zuflüsse von rund 18 Milliarden US-Dollar. Ihre Goldbestände stiegen um 121 Tonnen auf einen Rekordstand von4’189 Tonnen, getragen insbesondere von nordamerikanischen und europäischen Fonds. Diese Entwicklung zeigt ein breites Anlegerinteresse. Gleichzeitig können ETF-Abflüsse bei veränderten Zins- oder Markterwartungen kurzfristige Korrekturen verstärken. (gold.org)

Goldminen: Ertragschancen beizusätzlichen Risiken

Goldminenaktien ermöglichen eine Beteiligung an den Gewinnen der Produzenten. Steigt der Goldpreis bei weitgehend stabilen Kosten, können ihre Margen und Cashflows überproportional wachsen. Dieser operative Hebel wirkt allerdings auch in die Gegenrichtung: Sinkende Goldpreise oder steigende Förderkosten können die Profitabilität deutlich belasten.

Die Branche profitiert weiterhin vom hohen Goldpreisniveau, steht aber unter zunehmendem Kosten druck. Laut World Gold Council und Metals Focus lagen die durchschnittlichen All-in Sustaining Costs – die Kosten der Förderung einschliesslich wesentlicher Aufwendungen zur Aufrechterhaltung des Betriebs – im ersten Quartal 2026 bei 1’785 US-Dollar je Unze, 16% über dem Vorjahresniveau. Trotzdem erzielte die Branche dank der hohen Goldpreise aussergewöhnlich starke Margen und Cashflows. Diese Quartalsdaten dürfen jedoch nicht unverändert auf die kommenden Monateübertragen werden: Tiefere Verkaufspreise sowie höhere Energie-, Material- und Förderabgaben können die Margen wieder reduzieren. (gold.org)

Bei Goldminen sollte deshalb die Qualität der Unternehmen im Vordergrund stehen: solide Bilanzen, wettbewerbsfähige Kosten, verlässliche Produktion und eine disziplinierte Investitionspolitik. Zusätzlich sind politische Risiken in den Förderländern und der künftige Kapitalbedarf zu berücksichtigen. Ein hoher Goldpreis alleinmacht eine Minenaktie noch nicht günstig. Goldminen bleiben Aktienanlagen und können bei einem allgemeinen Börsenrückgang deutlich verlieren, selbst wenn sich Gold vergleichsweise stabil entwickelt.

 

Fazit Wir bleiben für Goldmittel- bis langfristig konstruktiv, rechnen kurzfristig jedoch mit erhöhter Volatilität. Die Diversifikation der Zentralbankreserven sowie geopolitische und fiskalische Unsicherheiten sprechen aus unserer Sicht weiterhin für eine strategische Goldbeimischung. Gegen einen raschen, breiten Ausbau sprechen derzeit die restriktivere US-Geldpolitik und das Risiko weiter steigender Realzinsen.

Wir bevorzugen daher, die strategische Goldquote innerhalb der festgelegten Bandbreiten beizubehalten und Rückschläge bei Untergewichtungen für gestaffelte Ergänzungen zu prüfen. Gold kann zur Diversifikation beitragen, bietet aber keinen garantierten Schutz bei jedem Marktrückgang. Goldminen sehen wir als selektive Ergänzung innerhalb der Aktienquote. Ihr Schwerpunkt liegt auf Ertragschancen; die strategische Absicherungsfunktion wird primär über die direkte Goldanlage abgedeckt.

Mimi Haas, Lic. rer.pol. HSG, M.A. in Banking and Finance HSG, Partner

Quellen: Degussa, Reuters und Financial Times.
Stand: 28.09.2025

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