Anlagekommentar
Oktober 2026

Europäische Union

Verbesserte Gewinnerwartungen durch konjunkturellen Rückenwind

Diesen Beitrag hören:

Konjunktur

Im zweiten Quartal 2026 stieg das saisonbereinigte Bruttoinlandprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal im Euroraum um 0,6 % und in der Europäischen Union (EU) um 0,7 %. Im ersten Quartal 2026 war das BIP im Euroraum stabil geblieben und in der EU um 0,1 % gestiegen. Gemäss den letzten Prognosen der Europäischen Zentralbank (EZB) wird die Jahreswachstumsrate des realen BIP 2026 bei 0.8%, 2027 bei 1.2% und 2028 bei 1.5% liegen.

Die europäische Wirtschaft verzeichnet höhere Wachstumsraten und wird durch Exporte sowie die Erholung der Industrie gestützt, doch die Verbrauchernachfrage bleibt verhalten und erneuter Druck auf der Energiepreisseite könnte das verarbeitende Gewerbe bremsen. Vor allem die deutsche Wirtschaft wird im laufenden Jahr zu einer zentralen konjunkturellen Kraft. Der massive Energiepreisanstieg und die steigenden Zinsen hätten durchaus das Potential gehabt, den zu Jahresbeginn bereits sichtbaren Aufschwung abzuwürgen. Europa ist stattdessen mit konjunkturellem Rückenwind unterwegs.

Die Inflation im Euroraum lag im August 2026 bei 3.2% (Energie mit +14.3% stärkster Preistreiber), nach 2.9% im Juli. Die EZB-Projektionen sehen für das Jahr 2026 die Inflation im Euroraum bei 3.0%, 2027 bei 2.3% und 2028 auf dem Inflationsziel von 2.0%.

Der Arbeitsmarkt ist weiterhin stabil und die Arbeitslosenquote in der EU lag im Juli 2026 bei 6.1%.

‍

Europäische Zentralbank (EZB) - Geldpolitik

In diesem Monat hat die EZB beschlossen, ihren Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 2.50% anzuheben. Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über dem Zielwert von 2% bleiben.

Die EZB kommunizierte eine strengere Einschätzung der Inflationspersistenz und der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit und betonte die Aufwärtsrisiken durch die Energiepreise sowie mögliche Zweitrundeneffekte auf die Kerninflation. Wir halten eine weitere Zinserhöhung für wahrscheinlich, wodurch der Zinssatz bis Jahresende auf ein Niveau von 2.75% steigen würde.

‍

Unternehmensgewinne

Für den STOXX Europe 600 wird für das zweite Quartal 2026 ein Gewinnwachstum von rund 24% gegenüber dem Vorjahr ausgewiesen, selbst ohne den Energiesektor lag das Wachstum noch bei mehr als 10%. Im September hellt sich die Stimmung sogar nochmals deutlich auf und die Wachstumsraten beschleunigen sich weiter. Die widerstandsfähige Konjunktur stützt die Unternehmen, deren Gewinnaussichten sich zuletzt weiter aufgehellt haben. Höhere Zinsen und gestiegene Energiepreise sorgen zwar für Gegenwind, die Kombination aus solider Konjunktur, verbesserten Gewinnerwartungen und zuletzt wieder moderateren Bewertungen sprechen jedoch für positive Aussichten für den europäischen Aktienmarkt.

‍

BIP-Wachstum 2026: +0.80% (E)
‍EU-Inflation  2026: +3.10% (E)
Aktueller 3 Monats Euribor:
+2.61%

‍

Daniel Beck, Mitglied der Geschäftsleitung

Quellen: Europäische Kommission, Eurostat, LGT Bank AG
Stand: 29.09.2026

Schweiz